Marktlage tierischer Bereich

Wie ist die aktuelle Marktlage bei Nutztieren und tierischen Produkten in Baden-Württemberg?
Hier finden Sie unseren aktuellen Marktblick und eine Zusammenfassung der Marktlage über die letzten 2 Monate aus unserem Newsletter vom Juli 2026.

Milchproduktenpreise in Baden-Württemberg

Milchkühe leiden an Hitze und Trockenheit

Der deutsche Milchmarkt war lange Zeit von einem sehr hohen Milchaufkommen geprägt. In den letzten Monaten hat sich jedoch der Abstand zum Vorjahr verringert. Das Überangebot lag Anfang des Jahres bei 6 % Milch über dem Vorjahr, schrumpfte jedoch inzwischen auf „nur noch“ +3 %. Die Milchanlieferung liegt somit trotzdem, mit einer kurzen hitzebedingten Unterbrechung, immer noch weit über dem Vorjahresniveau. Momentan scheint es jedoch so, als ob wir in einer stabilen Sommerzeit angelangt sind. Die Milchspitze scheint überwunden. Das saisonübliche Absinken der Milchmenge in den Sommermonaten findet derzeit im geringen Ausmaß statt.
Der Käsepreis zeigt sich weiterhin stabil. Die Nachfrage ist ungebrochen rege. Die Lage an den Pulvermärkten ist aufgrund der Ferienzeit ruhig. Der Molkenpulverpreis und der Vollmilchpulverpreis sind ebenfalls stabil bei ruhiger Nachfrage. Der Magermilchpulverpreis tendiert leicht fester.
Der extreme Preisverfall der Erzeugerpreise für konventionelle Milch, der im Juli 2025 begonnen hatte, scheint insgesamt überwunden zu sein. Der Milchpreis in Baden-Württemberg ist im Juli auf 38,4 ct/kg Milch (+0,5 ct/kg) gestiegen. Dieser Trend ist deutschlandweit leider nicht zu sehen. So gingen die Preise am Spotmarkt in den letzten drei Wochen in Folge zurück. In KW 32 lag der Preis bei 33,1 ct/kg Milch (-0,9 ct/kg).
Die momentanen extremen Hitzeperioden und die daraus entstandenen Folgen sind in den Milchviehherden zu spüren. So leiden unter anderem die Tiere an der Hitze und produzieren weniger Milch. Zum anderen wirkt sich die Dürre auf die Futterbestände und auf die Futterqualität aus. Vor allem bei uns in Baden-Württemberg sind die Auswirkungen der hohen Temperaturen und des Wassermangels deutlich zu spüren.
Aufgrund der anstehenden Futterknappheit und den weiterhin geringen Milchpreisen ist in den letzten Wochen ein Anstieg der Schlachtzahlen von Kühen zu beobachten. In den vergangen zwei Wochen sind die Zahlen im Vergleich zum Vorjahr stark gestiegen. Es ist davon auszugehen, dass dies auch in den nächsten Wochen anhält. Die Futterknappheit und die erhöhten Kosten für Grundfutter werden die nächsten Monate überschatten.
Auch weltweit dürfte sich die Milchmenge, durch steigende Produktionskosten und geringe Erlöse, verringern. Auch die fehlende Futtergrundlage durch die Dürre in vielen Teilen Europas könnte sich auf die Kuhbestände auswirken.
Zusätzliches Unbehagen löst der erstmals in Deutschland aufgetretene Shamonda-like-Virus aus. Betroffene Tiere leiden unter Fieber, Durchfall und geringerer Milchleistung. Die Übertragung erfolgt über Gnitze. Die kompletten Folgen des in Baden-Württemberg aufgetretenen Virus sind zum heutigen Zeitpunkt noch nicht abzuschätzen.
Ein Blick in die Zukunft lässt erahnen, dass die Milchmenge stetig zurück gehen könnte. Teilweise müssen Landwirte ihre Kühe schon mit dem Winterfutter zufüttern. Auch mit Blick auf den Silomais ist keine Entlastung in Sicht. Die Bestände sind zu trocken, worunter der Ertrag und die Qualität leiden.
Ein Rückgang der Milchmenge und ein damit einhergehender Preisanstieg ist zu erwarten, steht aber noch nicht unmittelbar bevor. Erst wenn sich die Milchmenge verringert, ist ein Anstieg der Preise zu erwarten.

© Dr. Stefanie Vogt, LEL Schwäbisch Gmünd

www.agrarmaerkte-bw.de

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