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Stand der Bildungs- und Beratungsarbeit im Bereich Klimawandel

Gloria Deil

Projektteam AnLaKliWa/DiKliWa während eines Online-Workshops

Im Rahmen des Projekts AnLaKliWa („Anpassung der Landwirtschaft an den Klimawandel in Bildung und Beratung“) der Landesanstalt für Landwirtschaft, Ernährung und Ländlichen Raum (LEL) haben Ende März drei Online-Workshops stattgefunden. Ziel war es eine Bestandsaufnahme der bereits initiierten Bildungs- und Beratungsarbeit im Bereich Klimawandel durchzuführen sowie Strategien zur Weiterentwicklung zu erarbeiten.

Die Bildungs- und Beratungsarbeit im Bereich Klimawandel soll dazu beitragen, dass landwirtschaftliche Unternehmen Maßnahmen zur Anpassung an den Klimawandel entsprechend ihrer spezifischen Situation in ihren betrieblichen Ablauf integrieren können. 

Erste vielversprechende Ansätze zeigen sich in den EU-Life-Projekten AgriClimateChange (2010 – 2013) und AgriAdapt (2016 – 2020). Hier wurden unter Beteiligung der Bodenseestiftung Beratungs-Werkzeuge für landwirtschaftliche Betriebe entwickelt (ACCT, AWA Webtool) sowie Maßnahmenpläne für eine nachhaltige Anpassung erarbeitet. Darauf aufbauend läuft aktuell das Bildungsprojekt GeNIAL (Bildung zur nachhaltigen Anpassung der Landwirtschaft in Deutschland an den Klimawandel, 2020-2022), welches mithilfe der vorangegangenen Erkenntnisse die Wissensvermittlung weiter ausbauen wird. 

Im Projekt AnLaKliWa hat nun ein Austausch innerhalb der Fachbereiche Sonderkulturen, Tierhaltung und Ackerbau stattgefunden, um den Status Quo der Bildungs- und Beratungsarbeit zum Thema Klimawandelanpassung durchzuführen sowie Strategien zur Weiterentwicklung zu erarbeiten. Teilnehmende waren neben Beratungskräften und Fachschullehrenden auch die Bodenseestiftung und Experten der Landesanstalten. 

Status Quo

Zu Beginn fand eine allgemeine Einführung in das Thema statt, sodass für die anschließenden Diskussionen derselbe Wissensstand gegeben war. Die Teilnehmenden erarbeiteten dann in Gruppen anhand der folgenden Zielfragen den Status Quo: 

  • Werden Informationen zum Thema „Anpassung der Landwirtschaft an den Klimawandel“ schon vermittelt?
  • Kennen Fachlehrende, Beratungskräfte sowie Landwirtinnen und Landwirte Klimafolgen und entsprechende Anpassungsstrategien?
  • Werden Anpassungsstrategien implementiert?
  • Welche Rolle spielen digitale Anwendungen?

Die Diskussionen zeigten, dass das Grundwissen allgemein vorhanden und das Thema relevant ist, v.a. nach den letzten 3-4 Jahren mit Dürreereignissen. Die Landwirte seien dementsprechend sensibilisiert, aber die Dringlichkeit scheint noch nicht groß genug, um aktiv zu handeln. Zusätzlich seien Anpassungsstrategien immer individuell zu bewerten und verlässliche Prognosen notwendig, damit Maßnahmen getroffen werden können. Die Implementierung sei abhängig von gesetzlichen Vorgaben und politischen Diskussionen, aber v.a. abhängig vom vorhandenen Eigenkapital. 

An den Fachschulen wird das Thema bereits in den Unterricht integriert, das Ausmaß jedoch abhängig von der Initiative der Lehrenden. Auch innerhalb der drei Fachbereiche zeigten sich Unterschiede: Während in der Tierhaltung noch mehr auf das Thema eingegangen werden könnte, scheinen die Sonderkulturen in diesem Bereich schon sehr gut aufgestellt zu sein. 

Bei landwirtschaftlichen Beratungskräften scheint die Umsetzung stärker vorangeschritten zu sein, da diese näher an der Praxis arbeiten und mit den Folgen des Klimawandels direkter konfrontiert sind. Es sind teilweise Spezialberatungen vorhanden u.a. zu Hagelschutz, Beregnung sowie Humusaufbau und -erhalt. Trotzdem bleiben aber viele Bereiche noch unbeleuchtet und es müssten weitere Anpassungsnotwendigkeiten durch die landwirtschaftliche Beratung angesprochen werden.

Rückmeldung der Teilnehmenden

Strategien zur Weiterentwicklung

Im zweiten Teil der Online-Workshops sollten die Teilnehmenden Strategien zur Weiterentwicklung formulieren, um das Thema „Anpassung der Landwirtschaft an den Klimawandel“ weiter in die Bildungs- und Beratungsarbeit zu integrieren. Hierbei kamen viele wertvolle Ansätze und Ideen zusammen, u.a.: 

  • Landesweite Vernetzungsplattform mit Schwerpunkt Klimawandel
  • Fortbildungen mit dem Ziel, Theorie und Praxis v.a. durch Exkursionen zu Best-Practice-Betrieben zu verbinden
  • Ausbau digitaler Anwendungen
  • Nutzung digitaler Kanäle zur Vermittlung von standortangepassten Handlungsempfehlungen
  • Lehrplanintegration
  • Bereitstellung von Unterrichtsmaterialien für Lehrkräfte mit praxisnahen Schüleraufgaben
  • Klimatage mit Auszubildenden und Ausbildern
  • Ein (gefördertes) Beratungsmodul „Klima“
  • Finanzielle Förderung von Maßnahmen und jeweiligen Technologien
  • Vermehrte Umsetzung von Arbeitskreisen in der Beratung

Zusammenfassung

Die Workshop-Ergebnisse zeigen, dass es noch vorhandene Lücken in der Bildungs- und Beratungsarbeit zu schließen gilt. Dem Thema „Anpassung der Landwirtschaft an den Klimawandel“ wird noch nicht überall eine ausreichend große Bedeutung zugemessen. Das Bewusstsein für die anstehenden Veränderungen ist weitgehend gegeben, dennoch müssen das Wissen weiter vertieft und Landwirtinnen und Landwirte bei der Umsetzung entsprechender Anpassungsmaßnahmen noch zielgerichteter unterstützt werden. Basierend auf den Workshop-Ergebnissen werden von der LEL dazu im Laufe des Jahres weitere Bildungsmaßnahmen wie z.B. Fortbildungen, Klimatage, eine Bildungs- und Beratungswoche (s. Abb. 3), Farminare und Schulungsvideos im Rahmen der Projekte AnLaKliWa und DiKliWa angeboten.

Zum Artikel in der Landinfo 2/2021 gelangen Sie hier.

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